Jeff Strand – Blister


Kurzbeschreibung


Jason Tray ist ein erfolgreicher Karikaturist, der von seinem Agenten für ein paar Tage in eine Hütte am See verbannt wurde, um Ruhe zu finden.
Als er eines Nachts mit ein paar Einheimischen in einer Kneipe rumhängt, bieten sie ihm an »Blister zu sehen«. Ohne zu ahnen, wovon sie reden, nimmt Jason ihr Angebot an.
Und so späht er kurz darauf durch das Fenster eines Schuppens auf das Albtraumhafteste, was er jemals gesehen hat: Blister ist eine fürchterlich entstellte junge Frau, die sich vor der Welt versteckt. Am nächsten Morgen bedauert Jason sein Verhalten. Er muss sich bei der Frau entschuldigen …
Doch diese kleine Stadt hat ihre Geheimnisse und Bewohner, die vor nichts zurückschrecken, um sie zu hüten.

Eine Geschichte voller menschlicher Monster.
Quelle: © Festa Verlag


Meine Meinung


Endlich ein neues Werk von Jeff Strand. “Der Zyklop” hat mich ja schon richtig begeistert, aber dieses Werk toppt es nochmal um Längen.

Sein Schreibstil ist absolut mitreißend, herrlich sarkastisch und voller Spannungselemente.
Das Herzstück dieses Thrillers ist definitiv Jason. Denn er spricht direkt zum Leser und erzählt ihm seine Geschichte, wodurch wir ausschließlich seine Perspektive erfahren.
Jason ist einfach ein herrlicher Charakter. Selten hatte ich so viel Spaß einen Menschen zu begleiten, wie bei ihm.
Er ist herrlich authentisch, tritt gerne mal ins Fettnäpfchen. Aber richtig genial ist sein Humor. Er trieft nur so vor Sarkasmus und das in sehr trockener Art und Weise. Die Dialoge, einfach zum niederknien. Ich war ständig am abfeiern.
Auch wenn die Situation noch so brenzlig ist, er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.
Im krassen Gegensatz dazu, haben wir “Blister” ,das Monster.
Doch was bedeutet Monster?
Das, was wir sehen oder viel mehr, dass was vor uns verborgen wird und für viel mehr Leid, Angst und Qual sorgt.
Ich mochte Rachel sofort.
Sie ist verdammt zur Einsamkeit.
Eine Welle des Schmerzes hat mich ergriffen, als ich das Ausmaß begriff. Man kann es sich vorstellen, was es für einen Menschen für sie bedeutet. Nicht mal ansatzweise.
Doch die wichtigere Frage ist doch, was dieser Zustand mit ihr selbst macht.

Und dann haben wir diese kleine Ortschaft, in der sie eingeschlossen ist.
Ein Ort , mit vielen Geheimnissen, die auf keinen Fall ans Licht kommen dürfen.
Düster, bedrohlich, verstörend.
Und trotzdem machen die Nebencharaktere diese Story so unheimlich gut.
Denn diese Menschen sind keinesfalls perfekt. Meistens nicht mal bedrohlich. Die Umstände machen es bedrohlich und so ausweglos. Viel mehr entdeckt man hier viel Unsicherheit, die alles in eine tiefe Abwärtsspirale münden lässt.
Über verschlungene Pfade hat jeder mit allem zutun, aber zugleich anders, als man sich das vorstellt.
Verhängnisvolle Situationen, die mitten im Chaos enden. Eine Kettenreaktion die sich immer weiter fortführt und so viel Tragik mit sich reißt.
Auf verquere Art und Weise konnte ich ihr Handeln nachvollziehen und verstehen. Ja, es ist menschlich, aber zugleich auch grausam und erschütternd. Jeff Strand zeichnet hier in keinster Weise ein Bild der puren Bösartigkeit. Viel mehr macht gerade diese Zusammengehörigkeit zu schaffen und sorgt einfach für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.
Was keineswegs heißt, dass nicht auch das Böse hier zu finden ist. Denn das ist es durchaus.
Bereits am Anfang des Buches ,zeichnet er ein sehr klares Bild dessen, was sein könnte.
Aber wenn man hier als Außenstehender hinzukommt und direkt die Finger auf die blutende Wunde legt, ist das quasi wie ein rotes Tuch.

Ich habe diese Story sofort geliebt. Denn der Autor erzählt sie mit einer Leichtigkeit, das einem schwindelt.
Jason ist so erfrischend anders und passt so perfekt rein.
Die Hintergründe um Rachel haben mich erschüttert und zugleich tief bewegt. Denn hier geht es in erster Linie um den Beschützerinstinkt, der immer wieder erwacht.
Das Verbrechen, diese ganze Ungerechtigkeit, das ganze Ausmaß dessen ,ist absolut grauenvoll und verheerend.
Aber noch viel schlimmer ist, wie es in den Köpfen der Menschen zugeht.
Wie gestört und provokativ man sein kann.
Denn die wahren Monster verstecken sich nicht.
Die wahren Monster lachen dir ins Gesicht und rammen dir ein Messer mitten in die Brust, wenn du es nicht erwartest.
Jeff Strand hat eine unverwechselbare Art, genau das knallhart auf den Punkt zu bringen.
Das mag weh tun ,aber es ist unverfälscht und echt und genau deswegen sticht dieses Werk so heraus.

Ich hab dieses Buch in einem Zug inhaliert und bin einfach komplett hin und weg.
Es ist wunderschön und grausam zugleich.
Eine Geschichte ,die einfach zeigt, das Menschlichkeit nichts wert ist, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.
Dramatisch, mit Wendungen bestückt, die mich absolut überrumpelt und sprachlos gemacht haben. Denn dadurch bekam das Ganze nochmal eine völlig neue Bedeutung.
Eine Story die definitiv zum nachdenken anregt, weh tut und einfach so unglaublich großartig ist, dass ich sie jedem in die Hand drücken möchte.
Definitiv ein Highlight.
Ich muss dringend den nächsten Jeff Strand lesen.


Fazit


“Blister” ist so unglaublich großartig, erschütternd, wunderschön, grausam und verstörend zugleich.
Ein Cartoonist, der mich mit seinem triefenden Sarkasmus absolut begeistert hat und mich mit seinem Feingefühl absolut überwältigt hat.
Eine Geschichte, die zeigt, dass es leicht ist, für ein Monster gehalten zu werden.
Aber verdammt schwer, die wahren Monster zu entdecken und zu entlarven.
Und dazwischen zart geflochtene Emotionen, die sehr intensiv sind und verdammt nochmal unter die Haut gehen.
Ein begnadeter Autor, der wieder ein absolutes Meisterwerk abgeliefert hat.


Buchdetails


Quelle: © Festa Verlag

Autor: Jeff Strand
Titel: Blister
Originaltitel: Blister
Übersetzer: Michael Krug
Teil einer Reihe: Festa Horror & Thriller Band 155
Genre: Thriller, Horror
Erschienen: 20. Oktober 2020
Verlag: Festa Verlag
ISBN: 978-3-86552-874-2
Seitenanzahl: 304
Preis: Paperback 14,99€, Ebook 4,99€
Wertung: 5/5
Bildquelle/Cover: © Festa Verlag

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