Veit Etzold – Schmerzmacher (Clara Vidalis, Band 6)


Kurzbeschreibung


Hauptkommissarin Clara Vidalis findet sich in einem Albtraum wieder, als mehrere Tötungsdelikte, die als Suizide getarnt sind auftauchen, in denen die DNS von Ingo M. sichergestellt wird – desselben Ingo M., der vor über zwanzig Jahren ihre kleine Schwester missbraucht und ermordet hat. Und dessen sterbliche Überreste in der Berliner Rechtsmedizin seziert wurden. Wie kann es sein, dass ein Toter mordet, wieder und wieder? Und warum hat sich sein Modus Operandi, die Handschrift jedes Mörders, so verändert? Die Wahrheit ist handfester und zugleich entsetzlicher, als Clara es sich in ihren dunkelsten Nächten ausgemalt hat.

Quelle:© Knaur Verlag


Meine Meinung


Entgegen allen anderen Bänden der Clara Vidalis Reihe, hat mich Band 6 nicht von Beginn an mitgerissen und in eine Abwährtsspirale des Grauens gezogen. Viel mehr ist es so, das ich es anfangs ganz schön verwirrend und konfus fand. Ich konnte keine rechte Bindung dazu aufbauen und fragte mich wirklich, auf was der Autor damit wohl hinauswollte.
Demzufolge war ich wirklich gespannt und folgte trotz Skeptik dem Geschehen.
Dazu muss ich sagen, das anfangs sehr viel auf den Leser einstürmt und gerade die Zeitsprünge machten mir ordentlich zu schaffen. Mir war jedoch klar, das die Perspektive von bestimmten Männern eine tragende Rolle spielen würde. In seiner Detailliertheit nimmt der Autor dabei kein Blatt vor den Mund. Ich kann wirklich viel verkraften und dank meinem Kopfkino, war ich dem Grauen doch ziemlich nahe.
Irgendwann kam bei mir der Knackpunkt und die Spannung setzte urplötzlich ein. Ich wusste plötzlich wo ich war und konnte all die Charaktere und Emotionen greifen und es auch verinnerlichen.
Dabei tauchen wir tief in die Vergangenheit ein und Clara Vidalis gerät in den Brennpunkt der Ermittlungen.
All das verschüttete wird nach oben gezehrt und in all seiner Abgründigkeit und Perfidität vor den Augen des Lesers ausgebreitet. Entsetzen und Überraschung kennt dabei keine Grenzen und man ist wirklich verblüfft, in welch niedere Gewässer es schlussendlich führt.
Entsetzt war ich tatsächlich wo bei manchen Menschen die Motivation liegt. Auch wenn man keinen Ausweg sieht, man sollte immer in der Lage sein, dagegen vorzugehen. Dadurch hatte ich das Gefühl, auch eine völlig andere Sichtweise zu bekommen. Was meine Abneigung nur noch verstärkte.
Dennoch kann man es trotz allem im gewissen Sinne nachvollziehen, nicht aber tolerieren.
Denn jede Tat oder Verdrängung hat Konsequenzen. Konsequenzen, die man nicht absehen kann, die jedoch für das Umfeld tragend und grausam sein können.
Gerade durch diese Szenen ist es dem Autor gelungen, sehr viel Schmerz und Tragik miteinfließen zu lassen und dabei auch etwas in mir zu bewegen.

Veit Etzold schafft es dem Leser ständig Claras eigene Verletzlichkeit vor Augen zu führen.
Derweil gewinnt Clara selbst immer mehr an Stärke dazu und wächst über sich hinaus.
Sie erkennt, daß die Vergangenheit niemals ruht und dies eine Chance zu einem Schlusstrich ist.
Doch wie wird dieser Aussehen?
Ich liebe die Charaktere wirklich, allen voran natürlich Clara, die mich vor allem mit ihrer spürbaren Entwicklung wirklich begeistert hat. Etwas schade fand ich, das MacDeath, den ich wirklich sehr vergöttere, etwas in den Hintergrund gerät. Was ich trotz allem gut nachvollziehen kann. Dennoch zeigt er uns wieder, wie brilliant er ermitteln kann und ich habe jede Zeile mit ihm einfach nur genossen. Doch mein ganz persönlich Highlight war in diesem Band Odin. Trotz kurzem  Auftritt hat er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mich einfach mitten ins Herz getroffen.

Die Charaktere insgesamt sind authentisch, greifbar und lebendig in ihrer Art. Die Schwächen werden ans Licht gezehrt und daraus ergibt sich ein Szenario, das Bände spricht.
Die Perspektiven sind hier sehr unterschiedlich, was mir gut gefallen hat. Sei es vom Täter, den Ermittlern oder Opfern. Man konnte sich ein gutes Bild von Ihnen machen und es auch nachempfinden.
Größtenteils lebt dieser Thriller von Ermittlungsarbeit, dessen sollte man sich bewusst sein. Ich fand sie gut nachzuvollziehen und liebe es, wie sie einzelne Fäden entwirren.
Daneben bleibt auch die Zwischenmenschlichkeit nicht außen vor, was dem Ganzen auch Tiefe und mehr Emotionalität verleiht.
Das Ende gestaltete sich als ziemlich explosiv und nervenaufreibend. Die Ermittlungen geraten unter Hochdruck und man hängt mitten im Geschehen fest. Das Ende hat mir gut gefallen und ich bin gespannt, auf welche Thematik sich der Autor als nächstes stürzen wird.

Alles in allem ein guter Nachfolger, der trotz anfänglicher Durststrecke, das Tempo noch anzieht und einiges an Wendungen und Überraschungen hervorbringt.

 


Fazit


Der sechste Band der Clara Vidalis Reihe hat mich zunächst ziemlich in den Abgrund fallen lassen. Doch nach einem etwas holprigem Start, reißt Veit Etzold die Leine noch etwas herum und spinnt einen sehr perfiden und abgründigen Thriller, der uns tief in die Vergangenheit führt.
Mit einigen Wendungen verblüfft und schockiert er gleichermaßen und gibt damit auch einiges mit auf den Weg.
Band 6 kann zwar nicht ganz mit den Vorgängern mithalten, konnte mich jedoch mitreißen, begeistern und meine Nerven ordentlich strapazieren.
Ich bin gespannt, auf welche Thematik er sich als nächstes stürzen wird.

 


Buchdetails


Autor: Veit Etzold
Titel: Schmerzmacher
Teil einer Reihe: Clara Vidalis – Band 6
Genre: Thriller
Erschienen: 1.Oktober 2018
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3-426-52112-0
Seitenanzahl: 400
Preis: Broschiert 10,99€, Ebook 9,99€
Wertung: 4/5
Bildquelle/Cover: © Knaur Verlag

 

 

 

 

 


Seriendetails


Clara Vidalis

  1. Final Cut
  2. Seelenangst
  3. Todeswächter – Rezension
  4. Der Totenzeichner – Rezension
  5. Tränenbringer – Rezension
  6. Schmerzmacher

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