Sebastian Fitzek – Das Geschenk


Kurzbeschreibung


Milan Berg steht an einer Ampel, als ein Wagen neben ihm hält. Auf dem Rücksitz ein völlig verängstigtes Mädchen. Verzweifelt presst sie einen Zettel gegen die Scheibe. Ein Hilferuf? Milan kann es nicht lesen – denn er ist Analphabet! Einer von über sechs Millionen in Deutschland. Doch er spürt: Das Mädchen ist in tödlicher Gefahr.
Als er die Suche nach ihr aufnimmt, beginnt für ihn eine albtraumhafte Irrfahrt, an deren Ende eine grausame Erkenntnis steht: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiter zu leben – und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden.
Quelle:© Droemer Knaur


Meine Meinung


Ein Geschenk ist immer eine wunderbare Sache, nicht aber, wenn es in Form eines Psychothrillers daherkommt. Dann führt dies selten zu etwas Gutem.

Was ich an den Werken von Herrn Fitzek so schätze, ist, wieviel Zeit er sich für die Ausarbeitung der Charaktere nimmt. Denn diese verfügen nicht nur über eine unglaubliche Wandelbarkeit, sondern auch über sehr viel Tiefe.
Dabei unterteilt er auch nicht klar in Gut oder Böse. Sondern stellt vielmehr die Frage in den Raum, welche Eigenschaft wohl mehr vertreten ist.
In seinem neuen Stück wird Milan zum Brennpunkt. Man mag ihn sofort, ohne Wenn und Aber. Man zweifelt keine Sekunde an seiner Integrität.
Besonders sein Analphabetismus macht ihn nicht nur sympathisch, sondern es beschäftigt und berührt auch zutiefst.
Doch wer ist Milan wirklich?
Genauso so verhält es sich mit den Nebencharakteren. Manche sympathisch, andere weniger. Aber sie hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck und beschäftigen unentwegt.
Immer wieder steht die Frage im Raum, wer hier Opfer und wer Täter ist und warum gerade Milan auserkoren wurde.
Und plötzlich ist die Vergangenheit wichtiger als die Gegenwart. Denn egal, wie man es dreht und wendet, am Ende ist es immer die Vergangenheit die uns das Genick bricht.
Die Vergangenheit ist ein faszinierender Aspekt. Sie hat Macht. Große Macht. Mehr als uns bewusst ist.
Sie kann vernichten, belohnen, verunsichern, aber auch niedere Aspekte hervorbringen.
Und vor allem kann sie alles für immer verändern.
Mit einem Wimpernschlag, ab da, gibt es kein zurück mehr. Sind die Fesseln erstmal festgezurrt, lassen sie sich so leicht nicht mehr lösen.

Dadurch dass man hier unterschiedliche Sichtweisen erfährt, erlangen die Charaktere sehr viel Tiefe. Man blickt in ihre Seele, wo so viel Schmerz , Leid und Trauer verborgen ist. Eine Dunkelheit die den Atem nimmt und lähmt.
Der Schreibstil des Autors ist unglaublich fesselnd, so dass ich in einem Rutsch durch war.
Mir hat enorm gut gefallen, dass er die Thematik Analphabetismus zur Sprache gebracht hat und wie der Betroffene damit umgeht und wie es sich auf das Umfeld auswirkt.
Das Schicksal dahinter hat mich unweigerlich zum nachdenken gebracht und nicht minder mitgenommen. Doch es sind so viele Schicksale, die hier auf verhängnisvolle Art und Weise aufeinandertreffen und eine explosive Kettenreaktion in Gang setzen.
Dabei weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.
Woher kommt die Bedrohung?
Welche Tragik steckt tatsächlich dahinter.

Mit dem Prolog wurde die Spannung enorm geschürt, da man unbedingt wissen musste, was mit Milan geschehen ist.
Was hat ihn in diese Abwärtsspirale hineingedrängt?
Dabei scheinen alle Charaktere Geheimnisse mit sich herumzutragen, mit denen sie nicht fertig werden.
Dabei kommen Aspekte wie Wahnsinn, Gier , Besessenheit und auch Hilflosigkeit zum Vorschein und genau deshalb fiebert man auch so unglaublich mit.
Der psychologische Aspekt dahinter wiegt umso schwerer.
Mir war es zunächst wirklich etwas zu vorhersehbar. Denn es zeichnete sich glasklar ab, worin das Ganze münden würde.
Nichtsdestotrotz zeichnete sich dennoch ab, dass man nie nach dem ersten Eindruck urteilen sollte und das niemand frei von Schuld ist.
Die ultimative Wendung kam dann auch mit sehr viel Kalkül und Perfidität zum Vorschein.
Was bei mir jedoch weitere Fragen hervorbrachte. Tatsächlich wirkte es auf mich etwas aufgesetzt und der Storyverlauf danach nicht mehr ganz so rasant, nervenaufreibend und tragisch. Mit diesem Element konnte bei mir leider nicht gepunktet werden, weil es für mich ,wie aus dem Nichts kam.
Teils wurde dadurch zwar die Handlung davor schlüssig, aber anderes wurde für mich schwer nachvollziehbarer.

Aber ohne Wenn und Aber hat Herr Fitzek auch hier wieder einen enorm fesselnden und vielschichtigen Psychothriller zu Papier gebracht, der mich beschäftigt und anhand der Themen auch emotional berührt hat.
Denn hier geht es keinesfalls nur um eine Entführung.
Es geht um Missbrauch, was sich auf vielerlei Art und Weise äußert. Es geht um Angst, Verzweiflung und Liebe.
Und am Ende geht es vor allem um Vertrauen, dass immer wieder erschüttert und neu aufgebaut werden muss.


Fazit


“Das Geschenk” ist ein Psychothriller, der mich enorm beschäftigt und definitiv mitgerissen hat.
Vergangenheit wird zur Gegenwart und plötzlich steht alles auf Kollision.
Herr Fitzek bindet hier Themen ein, die durchweg nicht loslassen und unentwegt beschäftigen, nicht unberührt lassen und in Atem halten.
Für mich ein fast perfekter Psychothriller. Kritik kam dennoch zum Zuge.
Etwas vermisse ich leider die Genialität, die Herr Fitzek in seinen ersten Werken bewiesen hat.


Buchdetails


Quelle:© Droemer Knaur

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Das Geschenk
Teil einer Reihe: /
Genre: Psychothriller
Erschienen: 23.Oktober 2019
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3-426-28154-3
Seitenanzahl: 368
Preis: Gebundene Ausgabe 22,99€, Ebook 14,99€, Taschenbuch 11,99€ (01.02.2021)
Wertung: 4/5
Bildquelle/Cover: © Knaur Verlag

⇒ Buch beim Verlag ⇐

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.