Stefan Albertsen – Die Leiche am Westerdeich


Kurzbeschreibung


Hauptkommissar Axel Groot und Kommissarin Hilka Martens sind die neuen Ermittler der Kripo Norden. Doch Zeit, sich an der Nordseeküste einzuleben, bleibt keine, denn schon am Tag vor dem offiziellen Dienstantritt haben die beiden ihren ersten Fall. Nach einer wilden Sturmnacht liegt ein Mann tot am Westerdeich von Neßmersiel! Auf den ersten Blick scheint er im Meer ertrunken und an Land angespült worden zu sein. Mehrere Stichverletzungen lassen jedoch keinen Zweifel: Es war Mord.

Wer hatte ein Motiv, den Hobby-Historiker Rolf Behrend, der sich mit der ostfriesischen Geschichte beschäftigte, aus dem Leben zu reißen? Ist er in seinen Nachforschungen auf unerwünschte Wahrheiten gestoßen, und wurde deshalb auch sein Laptop gestohlen?

Der erste Weg der beiden Ermittler führt zu Behrends Tochter Christel. Sie bringt einen konkreten Verdächtigen und ganz andere Motive ins Spiel …
Quelle: © Klarant Verlag


Meine Meinung


Auf diese neue Ostfrieslandkrimi Reihe war ich total gespannt, weil der Inhalt sich unheimlich vielversprechend angehört hat und ich neugierig darauf war, wie dieser ausgearbeitet werden würde.

Stefan Albertsen hat einen sehr angenehmen und leicht zu lesenden Schreibstil, der zugleich sehr charmant und humorvoll ist, so das ich nur so durch die Zeilen gerauscht bin.
Mir hat dieser Fall unglaublich viel Spaß gemacht, weil vieles nicht offensichtlich war und anhand des stürmischen Settings eine wirklich beklemmende und unheilvolle Atmosphäre hineingezaubert wurde.
Und das passte hier einfach mehr als gut.

Ganz besonders gut haben mir die beiden Kommissare gefallen. Die zunächst etwas verbissen wirkten, sich aber im Laufe des Geschehen immer weiter öffneten und dabei nicht nur mit ihrem kriminalistischen Spürsinn punkten konnten. Axel Groot fand ich manchmal etwas anstrengend, weil ich manchmal das Gefühl hatte, er vergräbt sich zu sehr. Zudem denke ich, dass bei ihm noch einiges verschüttet liegt, was unbedingt an die Oberfläche möchte. Er wirkt dadurch manchmal etwas griesgrämig, was er aber eigentlich gar nicht ist, wenn man ihn mal besser kennenlernt.
In Hilka Martens konnte ich mich unglaublich gut hineinversetzen. Sie ist eine verdammt gute Kommissarin, die ihr Schicksal tapfer trägt und bei der Kripo Norden zeigt, was in ihr steckt.
Sie ist manchmal etwas zu spontan und impulsiv, aber genau das mag ich auch so unfassbar gern an ihr. Weil sie dadurch zeigt, dass sie nicht perfekt ist und auch Schwächen hat.
Richtig toll haben mir hier auch Dyssen und Charlie gefallen. Sie lockern die Atmosphäre mit ihrem Humor und ihrer charmanten und unverwechselbaren Art unglaublich auf, was dem Ganzen etwas die Schärfe nimmt.
Insgesamt alles sehr authentische und wandelbare Charaktere, in die man sich gut hineinversetzen kann.

Die Perspektiven erfolgen hier aus unterschiedlicher Sicht, je nachdem wer gerade im Zentrum des Geschehen liegt. Das macht es nicht ganz so eindimensional und man erhält Einsicht auf unterschiedliche Blickwinkel.
Interessant war hier vor allem, dass man hier auch Einsicht in die letzten Momente der Opfer erhält, was nicht nur unglaublich spannend, sondern auch sehr aufschlussreich ist.
Die Story fokussiert sich zunächst auf die Kommissare und wie sie sich in ihrem neuen Umfeld schlagen. Zudem werden sie sehr schnell mit einem kniffligen Fall konfrontiert, der sie schnell an ihre Grenzen bringt.
Der Fall selbst hat mir ordentlich Kopfzerbrechen bereitet, weil ich keine Ahnung hatte worauf das Ganze hinauslaufen würde.
Fakt ist, dabei ist nichts wie es scheint und die Karten werden immer wieder neu gemischt.
Auch wenn die Nebencharaktere etwas blass wirken, so kann man sich dennoch ein sehr gutes Bild von ihnen machen.
Der Blick auf die Hintergründe hat gezeigt, dass es ordentlich hinter der Fassade bröckelt und es nicht viel fehlt, bis diese eingestürzt.
Ich war sehr beeindruckt mit welch genialen Scharfsinn ,Hilka dem Ganzen zu Leibe rückte und so dem Ganzen immer wieder eine dramatische Wende eingehaucht hat.
Und an Dramatik hat es hier definitiv nicht gefehlt.
Aber auch nicht an niederen Beweggründen, die doch auch ein Stück weit auch schockieren und erschüttern. Denn dadurch wird auch klar, wie diese Menschen wirklich ticken und was sie ausmacht.

Insgesamt ein sehr vielversprechender erster Band um die Kripo Norden, die mich nicht nur begeistert haben, sondern auch mit Themen punkten, die Sprachlosigkeit als auch Beklemmung in einem hervorrufen.
Denn hier geht es um Neid, Schuld und Gier.
Eine Kombination, die selten gut ausgeht und zeigt, wie sehr es die Menschen verändert.
Beängstigend ist vor allem, wie weit Menschen zu gehen bereit sind, wenn es um ihren eigenen Vorteil geht. Das hinterlässt doch ein sehr beklemmendes Gefühl, dass man nicht mehr los wird.
Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Fall für Axel und Hilka.


Fazit


Der Startschuss für die Kripo Norden ist gefallen.
Hilka Martens und Axel Groot sind unglaublich sympathische und beeindruckende Charaktere, die mich absolut begeistert und überrascht haben.
Daneben bekommt man einen Fall serviert, der definitiv nicht ohne ist und so einiges an Rätsel aufgibt.
Verbunden mit der stürmischen Naturgewalt ergibt es nicht nur ein verdammt gutes Zusammenspiel, sondern erzeugt auch sehr viel Dramatik und Tragik.
Unbedingt mehr davon.


Buchdetails


Quelle: © Klarant Verlag

Autor: Stefan Albertsen
Titel: Die Leiche am Westerdeich
Teil einer Reihe: Kripo Norden ermittelt – Band 1
Genre: Ostfrieslandkrimi, Kriminalroman
Erschienen: 11. Januar 2021
Verlag: Klarant Verlag
ASIN: B08RZ58M28
ISBN-10: 3965862960
ISBN-13: 978-3965862968
Seitenanzahl: 200
Preis: Ebook 3,99€, Taschenbuch 11,99€
Wertung: 5/5
Bildquelle/Cover: © Klarant Verlag


Seriendetails


Kripo Norden ermittelt

Hauptkommissar Axel Groot und Kommissarin Hilka Martens sind die neuen Ermittler bei der Kripo Norden in Ostfriesland. Während Axel sich nach hektischen Jahren im Dauereinsatz beim SEK nach einem ruhigeren Arbeitsumfeld sehnt, wurde Hilka eher zwangsversetzt und die spezielle, manchmal etwas ruppige Art der Ostfriesen fordert sie heraus. Doch nach einiger Zeit findet sie Gefallen an den Küstenbewohnern, dem trockenen Humor an der Nordsee und an ihrer neuen Heimat. Und gemeinsam mit ihrem neuen Vorgesetzten bekommt Hilka so viel zu tun, dass ihr ganz bestimmt nicht langweilig wird. Denn auch an der Nordseeküste schläft das Verbrechen nicht …

  1. Die Leiche am Westerdeich

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.